"Abschaum der Gesellschaft" - das ist keine Meinungsfreiheit

Wir haben heute bei MDR Sachsen-Anhalt über einen Prozessauftakt vor dem Magdeburger Landgericht berichtet. Eine Frau aus Quedlinburg soll zwischen 2010 und 2014 in mindestens sieben Fällen ihre minderjährige Tochter und Schwester zum sexuellen Missbrauch an Männer verkauft haben. Es ist eine schreckliche Tat, die emotional aufwühlt.

Die Angeklagte steht mit ihrem Anwalt vor dem Fenster im Gerichtssaal. Foto: Isabell Hartung Die Angeklagte im Magdeburger Gerichtssaal. Foto: Isabell Hartung

So reagieren die Menschen auf Facebook

Wie fast alle Artikel von mdrsachsenanhalt.de habe ich heute auch diesen Artikel auf unserer Facebook-Seite gepostet:

Der Fall schockiert ganz Deutschland: Eine 35-jährige Quedlinburgerin verkauft über Jahre ihre minderjährige Tochter und...

Posted by MDR Sachsen-Anhalt on Thursday, March 26, 2015

Es war zu erwarten, dass es bei dem sensiblen Thema des Kindesmissbrauchs sehr aggressive Kommentare geben wird. Doch so viel Hass habe ich selten erlebt. Der Aufreger war außschließlich das Mindestmaß der Haft von zwei Jahren - auch das war erwartbar. Mit Ausnahme von wenigen Posts sind alle 368 Kommentare (inkl. Replies, Stand 27.3., 20 Uhr) vorverurteilend, aggressiv, hasserfüllt - teilweise menschenverachtend.

Wir verfolgen auf unserer Facebookseite eine klare Netiquette. Jeder darf seine Meinung äußern, solange sie sachlich ist und den Gegenüber oder Dritte nicht angreift. Beleidigungen, Beschimpfungen, Aufrufe zu Gewalt und Selbstjustiz - all das löschen wir rigoros.

Alle Kommentare, die eine höhere Haftstrafe fordern, sind also mehr oder minder im Rahmen - und das waren alle, außer die von mir verborgenen. Die restlichen 39 beinhalteten übelste Hetze und Aufrufe zur Gewalt. Ich habe mich entschlossen, sie hier zu veröffentlichen. Die Autoren sind bis auf den Vornamen unkenntlich gemacht worden.

Ich mache das, weil mir einerseits solche Kommentare manchmal nahe gehen und ich als Fan des Rechtsstaates nicht verstehen kann, wie steinzeitlich einige Menschen denken - und ich das damit zeigen möchte. Andererseits sehe ich es wie meine Kollegen in Sachsen. Die haben am Anfang des Monats ein Plädoyer für mehr Respekt veröffentlicht, das Trollkommentare enthält und das ich uneingeschränkt teile.

Meinungsvielfalt ist wichtig. Aber das hier, hat nichts mit Meinung zu tun:

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